Robert Johansson - Joel M. Town - Allan Abbass : Davanloos Intensive Psychodynamische Kurzzeittherapie Wirksamkeit der Therapiemethode und Zusammenhang zwischen Erschließen des Unbewussten und Therapieergebnis

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Published
2016
Titel
Davanloos Intensive Psychodynamische Kurzzeittherapie Wirksamkeit der Therapiemethode und Zusammenhang zwischen Erschließen des Unbewussten und Therapieergebnis
Autor des Artikels, Dokumentes
Publikation
Psychotherapeut DOI 10.1007/s00278-016-0108-1 © Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2016
Summary

Aus dem Englischen übersetzt von Jana Meinel, International Psychoanalytic University, Berlin.

Die Intensive Short-Term Dynamic Psychotherapy (IS-TDP, Intensive Psychodynamische Kurzzeittherapie), entwickelt von Habib Davanloo, ist eine intensive psychodynamische emotionsfokussierte Kurzzeittherapie. Der Behandlungsschwerpunkt liegt im Umgang mit Widerständen, die während einer Therapie auftreten. Eine Grundannahme der IS-TDP ist, dass die Wirkungen der Therapie abhängig sind von komplexen emotionalen Prozessen in der Therapie, die sich im Anstieg der komplexen Übertragungsgefühle zeigen, wenn die Widerstände herausgefordert werden. Neueste Forschungsergebnisse belegen, dass das Erschließen des Unbewussten während einer Sitzung, ausgelöst durch einen hohen Anstieg der komplexen Übertragungsgefühle, die Wirksamkeit der IS-TDP verbessert. Während viele Studien fortlaufend die Wirksamkeit der IS-TDP bestätigen, fehlt bei den vorangegangenen Untersuchungen eine ausreichend große Stichprobenmenge. Auch wurden Patienten ausschließlich von erfahre- nen Experten therapiert. Ziel dieser Studie ist daher, die generelle Wirksamkeit der IS-TDP in einem klinischen Rahmen nachzuweisen sowie zu untersuchen, ob ein Erschließen des Unbewussten während der Therapie zu einer erhöhten Behandlungswirksamkeit führt. Methode. Insgesamt 412 Patienten nahmen an der Studie teil. Die durchschnittliche Dauer der Behandlungen betrug 10,2 Sitzungen (SD = 13,3). Um die Wirksamkeit der Behandlungsmethode und den Zusammenhang zwischen Erschließen des Unbewussten und dem Therapieergebnis herauszufinden, wurde die Analyse mit Mehrebenenwachstumsmodellen durchgeführt. Eine Reihe möglicher Vorhersagevariablen, wie die Art des Widerstands, wurde aufgeführt und zum Kontrollvergleich in die Modelle einbezogen. Als Messinstrumente dienten der Brief Symptom Inventory (BSI) und der Inventory of Interpersonal Problems (IIP). Circa die Hälfte der Patienten wurde von Therapeuten in der Ausbildung und der Rest von erfahreneren Psychotherapeuten behandelt.
Ergebnisse. Es ergaben sich anhand von Wachstumskurvenanalysen der vollständigen „Intention-to-treat“-Population signifikante Zwischengruppeneffekte der IS-TDP, in den Vergleichen mit dem BSI und dem IIP. Die Effektstärken sind groß (> 0,80). Das Erschließen des Unbewussten während der Therapie wies einen Zusammenhang mit einer signifikanten Zunahme der Behandlungswirksamkeit auf. Letzteres Verhältnis ließ sich zudem nachweislich von der Art des Widerstands beeinflussen.
Schlussfolgerung. Diese Studie leistet einen weiteren Beitrag zur Konsolidierung empirischer Wirksamkeit für Davanloos IS- TDP-Methode. Die Ergebnisse bestätigen die Effektivität der IS-TDP-Behandlung, durchgeführt bei einer großen Stichprobe von Therapeuten mit unterschiedlicher Therapieerfahrung. Des Weiteren wurde der emotionale Prozess des Erschließens des Un- bewussten als Prozessfaktor hervorgehoben und dessen Beitrag zur Verbesserung des Therapieergebnisses bestätigt.